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Die Grammatik leidet, weil wir geben nicht mehr Acht

Nebensatz weil falsch

Seien Sie ehrlich: Ertappen Sie sich nicht hin und wieder auch dabei, dass sie einem neuen Sprachphänomen folgen? Manch eine und manch einer möchten es gar nicht, und doch schleicht es sich still und heimlich in den Sprachgebrauch ein, insbesondere in den mündlichen.

Zunächst das Grundlegende

Einige Konjunktionen verbinden Hauptsätze miteinander, zum Beispiel und, oder, aber und sondern. Andere leiten Nebensätze ein, beispielsweise weil, wobei und obwohl. Während wir im Falle der ersten Gruppe in puncto Satzbau nichts beachten müssen, birgt die zweite Gruppe eine Besonderheit.

Ein Satz besteht regulär aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Das Prädikat ist meist in der Mitte vorzufinden: Er geht Tennis spielen. In einem Nebensatz müssen wir von dieser strengen Form abweichen und das Prädikat am Ende positionieren: Er hat keine Zeit für seine Freundin, weil er Tennis spielen geht.

Das weil-Phänomen

Es hat sich zunehmend verbreitet, auch Nebensätze mit Subjekt, Prädikat und Objekt zu bilden. Das betrifft vor allem Konstruktionen mit weil und ist laut den einschlägigen Grammatikwerken nicht zulässig, aber natürlich sehr viel bequemer, denn so muss man sich nicht zwei Regeln merken, sondern nur eine.
Das Ganze kann sich dann folgendermaßen anhören:

Ich muss heute nicht putzen, weil mein Mann hat es bereits übernommen.

Wir steigen dieses Jahr nicht mehr in den Flieger, weil wir waren im Sommer auf Gran Canaria.

Ich werde an der Feier teilnehmen, obwohl ich kann den Gastgeber nicht leiden.

Ist geschrieben, zeigt sich sofort, dass das ganz und gar nicht korrekt sein kann. Trotzdem rutscht es in Gesprächen oft raus. Es hört sich dann so an, als sprächen wir einen Doppelpunkt mit. Wir haben uns bereits im November 2020 mit diesem Phänomen befasst.

Neue Erkenntnisse

Heute möchten wir es erneut aufgreifen, denn nun können wir zwar keine Lösung, aber zumindest eine Erklärung dafür liefern, dass Sprechende Alternativen wie das Wort denn zumeist nicht nutzen:

Gerard Kempen vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik und Karin Harbusch von der Universität Koblenz-Landau haben herausgefunden: Weil ist aufgrund einer höheren Nutzungshäufigkeit im gesprochenen Deutsch schneller im mentalen Vokabular abrufbar als beispielsweise die Variante denn oder das Wort da.  Des Weiteren trat zutage: Sprechenden gelingt es nicht immer, den Inhalt eines weil-Satzes und seine grammatisch korrekte Form in dem engen Zeitrahmen der Äußerung präzise festzulegen. Dies steigert die Wahrscheinlichkeit einer Fehlkoordination. Ist die Entscheidung für einen Nebensatz mit weil als Konjunktion gefallen, führen Planungsprobleme mitunter zu einem Abbruch des Vorhabens. Es resultiert ein Kausalsatz, der keinen weil-Nebensatz mit dem Verb am Ende, sondern diesen als neuen Satz mit dem Verb an einer frühen Position aufweist.

Immer wieder spannend, was in unseren Gehirnen vor sich geht. Finden Sie nicht auch?

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